Wenn ich heute von meinem Spieltisch spreche, muss ich eigentlich erst einmal dazusagen, welchen ich meine. Zwei meiner regelmäßigen Rollenspielrunden finden online statt, zwei noch ganz klassisch vor Ort. Wobei „ganz klassisch“ nur bedingt stimmt. Würfel und Charakterbögen liegen zwar weiterhin auf dem Tisch, ganz ohne Rechner komme ich aber auch dort längst nicht mehr aus.
Online über Roll20
Vampire und Coriolis spielen wir komplett online über Roll20. Dort liegen Charakterbögen, Karten, Handouts und im Grunde alles, was während der Runde gebraucht wird. Für die Sprachkommunikation nutzen wir allerdings nicht Roll20 selbst: Bei einer Runde läuft TeamSpeak, bei der anderen Discord.
Wenn ich selbst online leite, brauche ich dafür auch mehr als nur ein Fenster mit Roll20. Auf einem Monitor läuft der eigentliche Spieltisch, auf einem anderen habe ich meine Kampagnennotizen und sonstigen Unterlagen offen. Das ist als Spielleiter schon ziemlich praktisch, schließlich müssen die Spieler nicht unbedingt alles sehen, was in meinen Notizen steht.
Online-Rollenspiel ist bei mir eigentlich erst durch Corona wirklich zum Thema geworden. Damals war es vor allem die Möglichkeit, überhaupt weiterzuspielen. Inzwischen gehören feste Online-Runden ganz selbstverständlich dazu.
Am echten Spieltisch
Bei Shadowrun und Cthulhu sitzen wir dagegen weiterhin gemeinsam am Tisch. Gewürfelt wird dort natürlich auch noch ganz analog. Hinter meinem Spielleiterschirm sieht es heute allerdings etwas anders aus als früher.

Wo früher Regelwerke, Ausdrucke und diverse Notizzettel lagen, stehen heute Monitor, Tastatur und Maus. Die Zettel waren natürlich alle wichtig. Zumindest so lange, bis ich sie tatsächlich gebraucht habe. Inzwischen greife ich über einen eigenen Linux-Rechner im Spielraum auf meine Notizen und Spielmaterialien zu. Damit kann ich auch Bilder und Handouts über den Fernseher anzeigen, während ich selbst hinter dem Spielleiterschirm die entsprechenden Unterlagen offen habe.


Musik gehört bei mir schon lange zum Spielabend dazu. Dafür stelle ich im Vorfeld passende Playlists zusammen, die ich während des Spiels je nach Situation abrufe. Die Audioausgabe läuft momentan ebenfalls über den Fernseher. Und wenn wir schon bei der Atmosphäre sind: Auch mit der Beleuchtung habe ich über die Jahre ein wenig herumgespielt.
Neben einer älteren Philips LivingColors hängt im Spielraum inzwischen eine per Smartphone steuerbare RGB-Deckenlampe. Damit lassen sich verschiedene Lichtstimmungen erzeugen oder auch mal ein rot-blauer Alarm simulieren. Da die Lampe außerdem einen Lautsprecher eingebaut hat, kam mir die Idee, darüber zusätzliche Umgebungsgeräusche einzuspielen. Regen, Straßenlärm oder vielleicht auch einen Alarm, der nicht aus derselben Richtung kommt wie die Musik. Im Spielbetrieb hat sich allerdings gezeigt, dass der Lautsprecher dafür wenig taugt. Der Regen klang eher nach undefinierbarem Rauschen. Also bleibt es vorerst bei den Lichteffekten.

Ganz neu sind solche Experimente bei mir allerdings nicht. Die Nebelmaschine war damals ein gemeinsames Bastelprojekt unserer Rollenspielrunde. Den Artikel „Spieltisch im Nebel“ hat SilverSky geschrieben, der damals bei unseren Rolemaster- und Shadowrun-Runden mitgespielt hat. In den letzten Jahren kam die Nebelmaschine allerdings nur noch selten zum Einsatz. Aufgrund der störenden Geruchsbelästigung haben wir sie inzwischen endgültig vom Spieltisch verbannt und weggegeben.
Was im Hintergrund läuft
Die Technik beschränkt sich allerdings nicht auf den eigentlichen Spielabend. Auch meine Vorbereitung läuft inzwischen weitgehend digital. Einen Teil meiner Kampagnenunterlagen organisiere ich in Obsidian, wobei ich gerade bei Shadowrun versuche, daraus mehr als nur eine Sammlung von Notizen zu machen. Mit Unterstützung durch KI sollen sich Informationen später leichter wiederfinden, zusammenfassen und miteinander verknüpfen lassen. Eine Art Kampagnengedächtnis also, das mit jedem Spielabend weiterwächst.
Dazu kommt momentan noch der Versuch, unsere Spielabende aufzunehmen und anschließend lokal mit Whisper zu transkribieren. In einem zweiten Durchlauf soll eine ebenfalls lokale KI, aktuell Qwen, private Gespräche und andere nicht spielrelevante Inhalte herausfiltern. Die gesamte Verarbeitung bleibt dabei lokal. Aus den bereinigten Transkripten sollen anschließend die relevanten Ereignisse und Informationen für die Nachbereitung und das Kampagnengedächtnis gewonnen werden. Wie gut das im Spielbetrieb funktioniert, muss sich noch zeigen.
Links und Quellen
- Roll20 – virtueller Spieltisch für unsere Online-Runden.
- TeamSpeak und Discord – Sprachkommunikation in den Online-Runden.
- Obsidian – meine digitalen Kampagnennotizen.
- Whisper – Software zur lokalen Transkription von Spielabenden.
- Qwen – Modellfamilie, mit der ich die lokale Filterung der Transkripte erprobe.

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